07.04.2023, Любек
На Страсну п'ятницю Генконсул України Ірина Тибінка на запрошення Євангельсько-Лютеранської церкви у Північній Німеччині та Архиєпископства Гамбург (Римо-Католицька церква) взяла участь у найдавнішій у Німеччині Хресній ході, яка відбувається в Любеку (федеральна земля Шлезвіг-Гольштайн) та з коротким словом звернулася до присутніх під час третьої з п'яти стацій цієї традиційної процесії. Також спільно з священниками УГКЦ та ПЦУ вона пронесла на чолі ходи символічний дерев'яний хрест.
Виступ Генконсула (текст німец.мовою) під час стації " Ісус падає під вагою хреста"/"Jesus bricht unter der Last des Kreuzes zusammen"

Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, den zwangen sie, ihm das Kreuz zu tragen.
Jedes Mal, wenn man diese Worte hört, kommt unwillkürlich eine Frage auf: Wer sind wir?
Sind wir wie Jesus, folgen ihm nach, tragen unser eigenes Kreuz, erkennen es an und sind bereit, Schmerz und Leid zu ertragen?
Oder sind wir wie Simon, der die Last des Kreuzes eines anderen teilt und einem anderen hilft, die Prüfungen zu überwinden?
Oder sind wir vielleicht die römischen Soldaten, die die Leidenden verhöhnen und ihnen Schmerzen und Demütigungen zufügen?
Oder die Menge, die "Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz!" schreit und ein Spektakel will. Und sie ist gleichgültig gegenüber dem Leiden der anderen.
Wer also sind wir? Wer ist jeder von uns?
Auf diesem Kreuzweg spreche ich als Ukrainerin und Vertreterin der Ukraine zu Ihnen.
Und ich danke Ihnen für die Ehre, an dieser besonderen Station im Namen meines Landes sprechen zu dürfen.
Es ist auch eine große Verantwortung, im Namen eines Volkes zu sprechen, welches das Böse zu vernichten versucht.
Mein leidgeprüftes Vaterland.
Seit 408 Tagen trägt es nun schon das Kreuz des russischen Angriffskrieges.
Eines Krieges, der ihm aufgezwungen wurde.
So sinnlos und unendlich grausam.
Seit 408 Tagen sind die Ukrainer ihres friedlichen Lebens beraubt.
Die Luftangriffe sind zu ihrem Alltag geworden.
Jeder Tag ist gefüllt mit Verlusten, Zerstörung, Folter und Tod.
Mütter, die an den Gräbern ihrer Kinder schluchzen.
Kinder, die ihre Eltern nie wieder sehen werden.
Körper, die Blut und Tränen weinen.
Seelen, die vor Verzweiflung und Schmerz bluten.
Das ist die heutige Realität meines Landes.
So sieht das Kreuz meines Volkes aus.
Das absolut Böse, das wir in Butcha, Irpin, Izium, Cherson gesehen haben und weiter erleben, stellt eine Bedrohung für die ganze Welt dar.
Solchen Strapazen auch nur einen Tag lang standzuhalten, ist bereits eine übermenschliche Herausforderung.
Der Kreuzweg der Ukraine dauert aber nun schon 408 Tage an.
Nur Gott weiß, wie lange wir noch auf diesem Weg unterwegs sein werden.
Aber wir werden weiterhin jeden Tag zählen.
Und für jeden neuen Tag werden wir dem Herrn aufrichtig danken und ihn dafür preisen, dass er uns den Mut und die Kraft gibt, diesen Prüfungen zu widerstehen und weiterzugehen.
Ich werde oft gefragt, woher die Ukraine ihre Kraft schöpft.
Die Antwort ist so einfach wie offensichtlich.
Liebe, Glaube und Hoffnung.
Die Widerstandskräfte, die Ausdauer und der Mut der Ukrainer und Ukrainerinnen beruhen auf diesen drei Säulen.
Drei Geschenke Gottes, die ein jeder braucht.
Sie wurden zur Antwort auf die Handlungen des Feindes, diktiert von seinem Hass, seiner Verachtung und seinen Einschüchterungsversuchen.
Die Ukrainer antworten auf den Hass mit Liebe.
Liebe für das Land, das es zu verteidigen gilt.
Liebe für die Freiheit, die erhalten werden muss.
Liebe zum Nächsten, dessen Leben am meisten wert ist.
Der Glaube hilft, einem Feind entgegenzutreten, der die moralischen Werte verachtet und der Lügen und Zynismus zu Waffen gemacht hat.
Meine Landsleute haben den Glauben.
Aufrichtigen Glauben an die Werte, auf denen unsere demokratische Welt beruht.
Sie glauben an die Hilfe für den Nächsten und daran, dass wir im Kampf gegen das Böse nie allein sind.
Denn die Grundlage der Kraft, die wir aus dem Glauben schöpfen, ist die Überzeugung, dass wir auf der Seite der Wahrheit stehen, und damit auf der Seite Gottes.
Und dann sind alle Versuche, Angst zu säen oder einzuschüchtern, zwecklos.
Denn die Ukraine hat Hoffnung.
Das erste, was die ukrainischen Frauen, die vor dem Krieg hierher fliehen mussten, spürten, war Hoffnung.
Die von hier gelieferten Generatoren produzieren in den ukrainischen Häusern nicht nur Licht und Wärme.
Sie generieren auch Hoffnung.
Wenn Geräte und Medikamente aus Deutschland in den ukrainischen Krankenhäusern ankommen, kommt mit ihnen auch die Hoffnung.
Jedes Mal, wenn unsere Freunde und Partner die Hilfe schicken, die mein Land so dringend braucht, schöpft es sofort Hoffnung und gibt uns Kraft.
Jede Schulter der Unterstützung, jede helfende Hand, jede Äußerung von Empathie ist ein Lichtstrahl, der die Dunkelheit vertreibt und das Kreuz ein wenig leichter macht.
Genauso wie Simon teilen auch viele Millionen Deutschen mit den Ukrainern die Last des Kreuzes, zeigen ihr Mitgefühl, Verständnis und Menschlichkeit, verzichten auf die leeren selbstsüchtigen Manifeste oder weit von der Realität und Logik entfernten Appelle.
Man erkennt sogar, dass man durch die Hilfe der Leidenden auch sich selbst hilft – wie es auch Simon erkannte und zu einem treuen Anhänger Jesu wurde.
Mögen diese Menschen, wie Simon zu seiner Zeit, die Fülle der Barmherzigkeit und des Segens Gottes erfahren!
Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
So lehrt es uns Jesus.
Deshalb danken wir ihm für die Prüfungen und folgen ihm. Und wir wissen genau, wie unsere Prozession enden wird.
Die römischen Soldaten und die Menge, von denen einige hasserfüllt und andere gleichgültige Beobachter sind, können den vorherbestimmten Lauf der Dinge nicht ändern.
Jesus Christus wird auferstehen, und seine Auferstehung wird den Sieg bedeuten.
Das Licht wird die Dunkelheit vertreiben.
Das Leben wird den Tod besiegen.
Die Wahrheit wird der Lüge Einhalt gebieten.
Das Gute wird das Böse überwinden.
Gnädiger Gott, gib uns die Kraft, den uns erteilten Kreuz ehrenhaft zu tragen und auf unserem Weg Hilfe immer zu finden, damit das Böse bekämpft werden und aus unserem Leben verschwinden kann!
Gott, segne jeden von uns!
Gott, segne die Ukraine!
Frieden sei mit uns allen!